Der Bücherblog

Archiv für die Kategorie 'Humor'

Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor

Es geschieht ein geheimnisvoller Mord im eingeschneiten Herrenhaus ffolkes Manor im schottischen Dartmoor. Der Besitzer Colonel Roger ffolkes hat zu Weihnachten Gäste geladen und einer davon, Raymond Gentry kommt blutig ums Leben – in einem von innen verschlossenen Raum ohne Einbruchspuren! Außer dem Colonel, Ehefrau Mary und Tochter Selina sind mehrere Hausangestellte im Herrenhaus, sowie die übrigen Gäste: Schauspielerin Cora Rutherford, Selinas Freund Donald Duckworth, Doktor Henry Rolfe und Madge Rolfe, Vikar Wattis und seine Frau Cynthia und zu guter letzt Evadne Mount, eine Schriftstellerin, die noch eine ganz entscheidene Rolle einnimmt. Eine dieser Personen muss der Mörder sein und der Colonel kommt auf die Idee seinen Nachbarn Chefinspektor Trubshawe, früher bei Scotland Yard tätig und jetzt in Rente, dazu zu holen um ihn zu entlarven.

Mord auf ffolkes Manor ist ein Kriminalroman im Stil von Agatha Christie, der aber zugleich auch eine Parodie ist, gespickt mit dem herrlichen britischen Humor. Die Schriftstelllerin Evadne Mount löst mit detektivischem Spürsinn diesen Fall und geht dieser Passion noch in zwei weiteren Romanen nach.

Die Bücher sind im Heyne Verlag erschienen.

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

Dieses Buch lebt von den zwei völlig unterschiedlichen und doch gleichermaßen verschrobenen Hauptpersonen mit der gemeinsamen Leidenschaft Maß zu nehmen. Der große Mathematiker Professor Gauß, der seit Ewigkeiten nicht mehr aus seiner Stadt Göttingen heraus gekommen ist und dort jeden Hügel mit größter Pingeligkeit vermessen hat auf der einen und der Naturforscher Alexander von Humboldt auf der anderen Seite. Der wiederum hat die entlegendsten Winkel der Erde besucht und dort die Ungenauigkeit der bisher verwendeten Karten aufgedeckt, hat sein Leben riskiert um am Amazonas einen bedeutungslosen, entlegenen Kanal zu finden von dem er gehört hatte.

Im gesetzten Alter lädt also Alexander von Humboldt Professor Gauß zu einem Kongress nach Berlin ein, der wollte erst gar nicht hinfahren und überwindet sich dann doch. Während seiner Reise dorthin werden in Rückblicken die beiden verschrobenen und etwas weltfremden Männer und ihre Leidenschaft für die Vermessung der Welt vorgestellt. Und trotz dieser gemeinsamen Leidenschaft merkt der Leser bei der Beschreibung ihrer völlig unterschiedlichen Lebensläufe, dass hier zwei Welten aufeinander treffen werden – auch wenn beide gut vermessen sind. Das ganze gipfelt dann in der ersten persönlichen Begegnung zwischen den beiden großen Männern, die vor Witz und Charme nur so sprüht.

Auch wenn hier zwei Wissenschaftler in ihrer wissenschaftlichen Arbeit vorgestellt werden lässt sich das Buch auch für den Nichtmathematiker hervorragend lesen. Zum einen weil aus dem Zusammenhang immer hervor geht um was es in ihrer Arbeit geht, zum anderen weil diese Arbeit nicht im Vordergrund steht, wichtig sind  vor allem die Charaktere und die könnten besser und lebendiger nicht beschrieben sein.

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich.

Wer nach der Lektüre dieses Buches noch eine Kreuzfahrt machen möchte, ist selber schuld.

Ich habe einen knallroten Jogginganzug gesehen, mit extrabreitem Revers. Ich habe erfahren wie Sonnenmilch riecht, wenn sie auf 21.000 Pfund heißes Menschenfleisch verteilt werden. Ich habe einen dreizehnjährigen Jungen gesehen, der ein Toupet trug, ich war Zeuge wie eine Frau in Silberlamee einen gläsernen Aufzug von innen flächendeckend vollgekotzt hat. Ich habe Gepäckstücke und Sonnenbrillen in schreienden Neonfarben, Hosenanzüge in blasslila, Sakkos von menstrualem Rosa und braun-violette Trainingsanzüge gesehen. Ich habe erwachsene US-Bürger aus dem gehobenen Mittelstand gehört, die am Info-Counter wissen wollten, ob man beim Schnorcheln nass wird und ob die Crew ebenfalls an Bord schläft. Ich habe mich sogar (wenn auch nur kurz) in eine Conga-Polonaise eingereiht.

Wallace wurde von der Zeitschrift Harpers Magazin beauftragt ein Feature über Kreuzfahrten zu schreiben und dies hat er auf sehr komische Art und Weise getan.

Der einzige Wermutstropfen in diesem Buch sind die Fußnoten, sie gehen über Seiten und ich frage mich dann immer was das für einen Sinn hat, mich stören sie in meinem Lesefluss. Ich werde ständig von irgendwelchen Zahlen unterbrochen und muss am Ende der Seite oder des Kapitels nachschauen welche geistigen Ergüsse sich hinter den Zahlen verbergen.

Am besten finde ich das 13. und letzte Kapitel des Buches in welchem Wallace einen ganzen Tag an Bord der Nadir beschreibt. Er hat wirklich alles gemacht: Skeetschießen, Tischtennisturniere, Schachturniere gegen ein hochbegabtes Blag und so weiter und sofort und das ist so lustig erzählt das ich zeitweise das Buch weg gelegt habe, weil ich durch das viele Lachen heulen musste. Zusammenfassend kann ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

David Foster Wallace hat sich leider im September 2008 das Leben genommen.

Das Buch ist im Mare Verlag erschienen.

Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville

Eine der lustigsten, auf jeden Fall aber die sprachschönste aller Gespenstergeschichten ist The Canterville Ghost, wie sie im englischen Original heißt. Darin wird das Gespenst, dass seit 300 Jahren das Anwesen der Familie Canterville bespukt selbst heimgesucht: eine amerikanische Familie hat das Anwesen aufgekauft und bezogen.

Der Käufer, Herr Otis, hat beim Verkaufsgespräch Lord Canterville bereits darauf aufmerksam gemacht, dass er keinesfalls bereit ist an Geister zu glauben und so geht er über alle noch so eindeutigen Hinweise auf einen Spuk hinweg. Seine beiden ungezogenen Söhne dagegen begegnen dem Gespenst schon bald persönlich, drehen den Spieß sofort um und treiben es mit ihren Streichen und Boshaftigkeiten zur Verzweiflung. Jeder Spuk der den englischen Adel zu Tode erschrecken konnte wird von den Eltern als „ganz bestimmt logisch erklärbar“ abgetan, so werden immer wiederkehrende Blutflecken Tag für Tag mit „Pinkerton’s Champion Stain Remover“ entfernt, bis den Geist die Farbe ausgeht und so weiter.

So entwickelt sich die Geschichte schnell zu einer amüsanten Auseinandersetzung zwischen englischer und amerikanischer Mentalität die erst durch die Tochter der amerikanischen Familie, Virginia, beendet wird, diese begegnet dem verzweifelten Gespenst auf den Fluren des Anwesens, hört sich seine Geschichte an und sucht mit ihm gemeinsam nach einem Ausweg: der Erlösung des Geistes von seinem Fluch.

Die Geschichte lässt sich auch gut auf englisch lesen, daher ist die Abbildung oben auf eine zweisprachige Fassung verlinkt.

Das Buch ist auch als familientaugliche Komödie verfilmt worden, hier das ganze auf DVD:

Absolute Kaufempfehlung für das Buch und auch den Film!

Leonie Swann: Glennkill

Der Schäfer liegt tot auf der Weide, in ihm steckt ein Spaten. Nach einer ersten Unruhe in seiner Herde fassen sich die Schafe und beschließen unter der Führung von Miss Maple, dem klügsten Schaf von Glennkill, den Täter zu ermitteln. Der Schäfer hatte ihnen jeden Abend vorgelesen, einmal auch einen Krimi, daher glaubt Miss Maple gut vorbereitet zu sein.

Die Sache gestaltet sich natürlich doch recht schwierig, da die Schafe viele Personen aus der Menschenherde gar nicht oder nur flüchtig kennen und erst mal herausfinden müssen welche Rolle sie spielen. Dass gerade der Metzger ihnen bei den Ermittlungen immer wieder über den Weg läuft macht die Sache nicht einfacher und auch der Mann der immer ganz in schwarz gekleidet ist und von den anderen scheinbar „Gott“ genannt wird ist den Schafen verdächtig.

Dieses Buch schwimmt auf der Welle von tierischen Ermittlern die zur Zeit wohl in Mode sind, da ermitteln Katzen, dort Fische und hier sind es Schafe. Ich hab bisher nur zwei solcher Bücher gelesen, fand aber beide unterhaltsam und lustig geschrieben, bei Glennkill war meiner Meinung nach das Konzept mit den Schafen gut umgesetzt. Die Schafe als Herdentiere, als Fluchttiere, ermitteln gemeinsam und versuchen aus ihrer Sicht die Herde der Menschen zu durchschauen. Alles in Allem eine nette Feierabendunterhaltung von der mittlerweile auch eine Fortsetzung namens Garou erschienen ist.