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Haruki Murakami: Schlaf

Protagonistin in Murakamis Buch „Schlaf“ ist eine Frau, sie hat englische Literatur studiert und ist jetzt Zahnarztfrau, ihr Leben ist total unspektakulär und belanglos bis sie eines Tages aufhört zu schlafen. Das Buch beginnt mit einleitenden Worten die beschreiben, dass sie seit 17 Tagen nicht mehr geschlafen hat. Im folgenden erzählt sie wodurch diese Schlaflosigkeit ausgelöst wurde und wie sie damit umgeht. Ihre Schlaflosigkeit ist keine Schlafstörung im eigentlichen Sinne, sie ist nicht müde und sie ist physisch und psychisch voll aufnahmefähig. Sie führt ein paralleles Leben, am Tag geht sie ihren Pflichten als Zahnarztfrau und Mutter nach. In der Nacht wenn ihr Mann und ihr Sohn schlafen beschäftigt sie sich mit Dingen die in ihrer Vergangenheit eine große Rolle gespielt haben, zum Beispiel lesen. Sie gewöhnt sich wieder an Schokolade zu essen und ab und zu ein Glas Cognac zu trinken obwohl sie mit beiden Sachen ihrem Mann zuliebe aufgehört hat.

Die Schlaflosigkeit wird durch eine Art Vision ausgelöst, wobei nicht ganz klar wird ob es sich um einen Traum, eine Halluzination oder die Realität handelt. Sie sieht am Fußende ihres Bettes einen kleinen, relativ alten, eingefallenen Mann der ihr mittels eines Tonkruges der sich nie zu leeren scheint unaufhörlich Wasser auf die Füße gießt.

Das Buch wird mit einer sehr eigentümlichen Szene beendet, wobei hier nicht ausführlich auf das gesehene eingegangen wird und das Buch mit dieser Szene abrupt endet. Dadurch kann man kaum sagen ob tatsächlich ein reales Ereignis beschrieben wird.

So, jetzt meine Meinung zum Buch, ehrlich gesagt weiß ich nicht ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Ich finde das ganze Buch sehr skurril und in einigen Abschnitten auch gruselig, in manchen Szene habe ich gedacht es wird eine Menschmaschine beschrieben die immer funktioniert oder eher funktionieren muss und die dann sozusagen einen Pakt mit dem Teufel eingeht um wieder etwas mehr Mensch sein zu erfahren. Sie ist das funktionieren leid und flüchtet sich in ein anderes Dasein. Sie hat nur für das Wohlergehen ihres Mannes und ihres Sohnes gelebt und darüber hinaus ihr eigenes wenn auch nahezu vergangenes Leben vergessen.  Alles was sie einmal ausgemacht hat und was sie hinten angestellt hat, drängt sich jetzt wieder mehr in den Vordergrund. Für mich ist die Frau total durchgeknallt und dem Wahnsinn verfallen.

Ich kann nicht sagen ob man das Buch lesen sollte oder nicht. Das einzige was ich sagen kann, seit dem ich das Buch ausgelesen habe mache ich mir Gedanken darüber und das ist, wie ich meine, das Beste was ein Autor schaffen kann.

Das Buch ist bei Dumont Buchverlag erschienen.

Es gibt eine Antwort zu “Haruki Murakami: Schlaf”


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#1 lars - 19 June, 3:03 PM

Ich denke ja dass die Frau nicht unbedingt „durchgeknallt“ ist. Die seltsamen Szenen die Anfang und Ende der schlaflosen Zeit markieren könnte zwar durchaus auch Halluzinationen oder Wahnvorstellungen sein, aber ich glaube eher, dass es unwichtig ist ob diese Bilder Traum, Wahn oder Wirklichkeit sind. Wichtig ist was sie symbolisch darstellen.
Die Szene mit dem alten Mann sehe ich so, dass er mit dem Wasser praktisch ihr Selbst gießt, dass sie so lange hintenan gestellt hat damit es wieder wächst, denn man kann und sollte nicht alles verdrängen was einen ausmacht um seine gesellschaftliche Rolle perfekt zu spielen.
Sie lebt daraufhin aber diese Dinge in der schlaflosen Nachtzeit aus statt sie in ihr normales Leben zu integrieren und gerät dadurch in eine Sackgasse. Diese wird durch den Schluss des Buches dargestellt, die natürlich sehr kurios ist aber wie Du schon geschrieben hast dadurch zum nachdenken anregt – oder sogar dazu zwingt.

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